24. Mai 2025 bis 3. Mai 2026
Das Team der Grafikstiftung freut sich auf Ihren Besuch!
Abbildung: Neo Rauch, Dämonen, 2025, Öl auf Papier, 240 x 196 cm; Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig, Berlin; David Zwirner; Foto Uwe Walter, Berlin; © Neo Rauch, VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Die Grafikstiftung Neo Rauch wird seit ihrer Gründung durch das Engagement von Freunden, Partnern und Förderern unterstützt. An dieser Stelle möchten wir insbesondere der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Salzlandsparkasse, der NORD/LB Kulturstiftung sowie der Stadt Aschersleben für die langjährige gute Zusammenarbeit danken.
Die Grafikstiftung Neo Rauch stellt in loser Folge Einblicke zu Werken der aktuellen Ausstellung vor:


Abbildung: Neo Rauch, Dämonen, 2025, Öl auf Papier, 240 x 196 cm; Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig, Berlin; David Zwirner; Foto Uwe Walter, Berlin; © Neo Rauch, VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Das Gemälde „Dämonen“ (2025), geschaffen von Neo Rauch, offenbart die Kindheit des Künstlers und macht sie durch seinen vielschichtigen Stil für den Betrachter erfassbar. Die positiv-diagonale Komposition führt das Auge durch die Szene. Mit leuchtenden Ölfarben auf großformatigem Papier (240 x 196 cm) erweckt Rauch seine Kindheitserfahrungen erneut zum Leben und stellt vor, wie er als junger Mensch seine Umwelt wahrgenommen hat.
Die dargestellten Figuren spiegeln nicht nur die kindliche Fantasie des Jungen wider, sondern auch deren Auswirkungen auf sich und sein Umfeld.
Links steht die Großmutter Rauchs im schwarzen Kleid, schwarzer Strumpfhose und einer blau-gelben Schürze. Über ihrer Schulter trägt sie einen gelben Teppich, in der rechten Hand hält sie einen Teppichklopfer. Sie beugt sich fürsorglich über den Jungen. Gegenüber von ihr steht ein Arzt, zu erkennen am weißen Kittel und Stethoskop, welcher nachdenklich die rechte Hand an das Kinn gelegt hat, während er sich mit der Linken auf einen beistehenden Tisch stützt. Beide betrachten den Jungen im Bett, während unter dem Gestell Kreaturen hervorkriechen. Das Kind selbst sitzt in seiner eigenen Welt und zeichnet unermüdlich, seine Bilder fliegen aufwärts durch das Gemälde.
Aus seinen Bildern scheinen farbige Gestalten und Formen in die Szene hineinzufließen. Im Hintergrund taucht seine Schule auf, dahinter befinden sich zwei bizarre Kreaturen mit menschlichen Gesichtern, welche jedoch Hörner und Klauen besitzen. Geteilt durch die kleinen Kunstwerke erscheint rechts von den Gestalten eine unbekannte Nachbarschaft und davor sein Schuldirektor, welcher durch und durch rot gekleidet ist und eine rote Flagge trägt.
Angesichts dieser Darstellungen äußert der Arzt nur ein einziges Wort: „Dämonen“. Der Junge selbst nimmt dies nicht wahr und zeichnet weiter.
Neo Rauch verbindet in diesem Werk realistische Darstellungen und Ereignisse mit surrealistischen und symbolischen Elementen. Die verschiedenen Perspektiven, die wechselnden Größenverhältnisse und die traumartige Atmosphäre erzeugen eine intensive Kulisse von Emotionen.
Die Farbpalette ist kraftvoll und kontrastreich: warme Rottöne stehen in scharfem Gegensatz zu kühlen Blautönen und, dank des Gelbtons, entsteht ein harmonischer Tanz der Primärfarben. Diese einfachen doch auffälligen Kontraste verleihen dem Bild emotionale Dichte und verstärken den Eindruck von einer Welt zwischen Realität und Wahrnehmung, eine Welt der Nostalgie.
„Dämonen“ kann als künstlerische Hommage an Rauchs Kindheit gesehen werden. Die Fantasien eines Jungen, wie er unübliche und unangenehme Situationen verarbeitete und wie dies zum Schlüssel für sein heutiges Schaffen wurde. Doch trotz jeglicher Darstellungen von scheinbaren Dämonen und Ängsten wird nicht verdeutlicht, wer oder welche Geschehnisse hier in Bezug genommen werden.
Ein Kettenkarusselunfall in der Kindheit Neo Rauchs führte zu einem Krankenhausaufenthalt. Sein Arzt riet seiner Großmutter, einen Kinderpsychologen aufzusuchen, da die Bilder des Jungen sehr von Waffen und Gewalt geprägt waren – wahrscheinlich inspiriert von damaligen Filmen und Kriegsgeschichten, welche sein Großvater und Onkels erzählte. Der Psychologe erkannte Anzeichen von frühkindlichem Trauma und empfahl, die Zeichnungen aufzubewahren, da sie ein künstlerisches Talent erkennen ließen.
Verfasserin: Friederike Haak im FSJ, September 2025